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Richtige Stoffwahl

Im Laufe der Jahre, in denen ich nähe, habe ich schon viele Fehlkäufe in Sachen Stoffe gemacht. 

Früher habe ich oft Stoffe gekauft, einfach weil sie reduziert waren und ich unbedingt ein Schnäppchen machen wollte. Ungeachtet der Farben, der Struktur oder der Zusammensetzung.

Ob mir die Farbe/ das Muster steht oder ich ein bestimmtes Kleidungsstück aus dem Stoff nähen würde, war in erster Linie gar nicht so wichtig.

So hatte ich viele Stoffe jahrelang im Schrank liegen und wusste nicht, was ich mit ihnen anfangen sollte.

Mittlerweile gehe ich ganz anders an das Thema Stoffkauf heran und wollte euch erzählen, wie ich das mache.

 

  • Als erstes habe ich mir Gedanken über die Farben gemacht. Welche Farben stehen mir, welche Farben mag ich? 
  • Dann das Muster. Würde ich ein fertiges Kleidungsstück mit dem Muster kaufen, das ich gerade als Stoff in der Hand halte?
  • Die Struktur und die Art des Stoffes ist auch ein ganz wichtiges Thema. Was soll aus dem Stoff genäht werden? Und wie soll dieses Kleidungsstück am Ende sitzen?

 

Mir ist in den letzten Jahren klar geworden, dass ich schlichte Stoffe mag, mit wenig oder gar keinem Muster. Die Farben der Kleidungsstücke sollten sich miteinander kombinieren lassen. Ansonsten hat man nichts zum Anziehen im Kleiderschrank, da irgendwie nichts zusammen passt. ;-)

 

Und dann kommen wir zu der Struktur und dem Fall des Stoffes.

Das ist meiner Meinung nach der schwerste Teil der Sache.

 

Manchmal hält man einen Stoff in der Hand, bei dem einem die Farbe und das Muster gefällt und man hat schon ein ganz genaues Bild vor seinem geistigen Auge, wie das Kleidungsstück damit aussehen wird. Nachdem er dann vernäht ist, ist man doch enttäuscht, weil der Stoff zu steif/ zu leicht/ zu dick/ zu dünn/ zu dehnbar/ zu fest/ zu durchsichtig für dieses Kleidungsstück ist.

 

Es ist schwierig hier einen universellen Tipp zu geben, da jedes Kleidungsstück seine eigenen Eigenheiten braucht.

wie kannst du also den richtigen stoff aussuchen?

In meinem Online Nähkurs erkläre ich meinen Teilnehmern in einem Video, wie sie den richtigen Stoff für einen Rock aussuchen können.

Dort zeige ich visuell die Unterschiede verschiedener Stoffe.

 

Im groben lassen sich die Stoffe in drei Kategorien einteilen:

  • leichte Stoffe
  • mittelschwere Stoffe
  • schwere/ dicke Stoffe

- Leichte Stoffe haben ein Gewicht zwischen 40 und 120 g/m².

Sie sind nicht so einfach zu verarbeiten, da sie nicht nur dünn, sondern auch oft rutschig sind.

Um solche Stoffe zu vernähen, solltest du schon einige Näherfahrungen gesammelt haben, um ein schönes Ergebnis zu erzielen.

 

Diese Stoffe eignen sich besondern gut für leichte Sommerkleider oder Blusen. Für Kleider ist oft ein Innenfutter notwendig, da sie bei Gegenlicht sehr transparent sind.

 

Als leichte Stoffe bezeichnet man unter anderem Crèpe Georgette, Chiffon, Seide, Organza, Viscose oder Mousseline.

 

- Mittelschwere Stoffe sind die Allroundtalente unter den Stoffen. Sie bringen meist ein Gewicht von 100 bis 220 g/m² auf die Waage.

Diese Stoffe lassen sich gut vernähen und sind besonders für Anfänger gut geeignet.


Aus ihnen lassen sich sowohl Kleidung, wie Oberbekleidung, Kleider, Röcke, Hosen oder Kinderkleidung nähen. Als auch Accesoires wie Taschen, Haushaltsartikel oder ähnliches.

Als mittelschwere Stoffe bezeichnet man unter anderem Baumwollstoffe (es gibt sie als Webware, nicht dehnbar) und Jersey (dehnbar), Brokat, Chambray, Popeline, Köper und Jacquard.

 

- Schwere oder dicke Stoffe können auch schon mal über 300 g/m² Gewicht auf die Waage bringen.

Auch diese Stoffe sollten erst vernäht werden, wenn man schon Näherfahrungen mit sich bringt, da sie teilweise ganz eigene Nähtechniken erfordern.

 

Aus dieses Stoffen lassen sich Mäntel, Hosen, Jeans oder Jacken herstellen.

Zu den schweren Stoffen zählen Mantelstoffe, Jeansstoffe, Kunsteder und Leder oder feste Strickstoffe.

 

 

WICHTIG zu wissen: Die Zusammensetzung eines Stoffes sagt nichts zu ihrer Struktur oder Textur aus. Ein Baumwollstoff kann zum Beispiel Jacquard, Jersey, Fahnentuch oder Jeans sein. Und das sind äußerlich gesehen, ganz unterschiedliche Stoffe.

Deshalb ist es einfacher einen Stoff nach seinen äußerlichen Qualitäten zu suchen und dann zu prüfen, ob einem die Zusammensetzung zusagt.

 

zusätzliche tipps

Der Stretch Anteil spielt bei den Stoffen eine große Rolle. Je nachdem, was du aus deinem Stoff nähen möchtest, sollte er größer sein oder gar nicht vorhanden. Ein enganliegendes Kleid ohne Elasthan Anteil im Stoff könnte dazu führen, dass du dich in ihm kaum bewegen kannst. Du kannst die Stretch Eigenschaft an der Zusammensetzung des Stoffen erkennen (Elasthan Anteil) oder den Stoff zwischen den Händen ziehen und so feststellen, ob er elastisch ist.

 

Die Knittereigenschaft lässt sich prüfen, indem du ein Stück Stoff in der Hand fest zusammen drückst. Bei knitterfreien Stoffen bleiben nach dem Öffnen der Hand keine Falten zurück. Oder sind nur ganz leicht zu sehen.

 

Möchtest du einen Stoff mit fortlaufendem Muster vernähen, wie z.B. Karostoffe oder großflächige Motive, dann denke daran, dass der Stoffverbrauch dafür größer ist.

Du musst deine Schnittteile dann so auflegen, dass das Muster harmonisch aussieht und das erfordert eine andere Verteilung auf dem Stoff.

 

Denke auch daran, dass viele Stoffe teilweise bis zu 4 % einlaufen können. Deshalb ist es sehr wichtig, die Stoffe vor dem Verarbeiten zu waschen.

 

 

Mache dir also vor dem Kauf Gedanken, was du nähen möchtest. Soll das Kleidungsstück mit oder ohne Futter genäht werden?

 

Soll z.B. ein Rock ohne Futter genäht werden, dann solltest du auch unbedingt darauf achten, dass der Stoff blickdicht ist. Das gleiche gilt natürlich auch für eine Hose.

 

Hast du noch nicht so viel Erfahrungen mit den verschiedenen Stoffarten, dann empfehle ich dir unbedingt einen Besuch im Stoffgeschäft und die Stoffe nicht online zu bestellen.

Dort kannst du die Stoffe mit deinen Händen anfassen, die Knittereigenschaft testen, die Festigkeit und die Dehnbarkeit überprüfen.

 

So bekommst du ein besseres Gefühl für die Stoffe und machst weniger Fehlkäufe. ;-)

 

 

Deine Olga