FBA – Anpassung bei einer großen Oberweite

FBA – vielleicht hast du diese Abkürzung schon Mal gehört oder auch schon Mal ausprobiert. 

Wenn nicht, dann erfährst du in diesem Beitrag, was eine FBA ist und wie du diese Schnittanpassung anwenden kannst.

 

Ich zeige dir zwei Varianten der Schnittanpassung für eine große Brust:

 

  • Eine klassische Methode, bei der du deinen Schnitt aufschneidest und einen Abnäher formst. 
  • Eine schnelle Variante, die komplett ohne Aufschneiden und Abnäher auskommt, eine “quick and easy” Methode.

Es hat mich interessiert, wie sich das Ergebnis dieser zwei Methoden voneinander unterscheidet und ob es einen Unterschied macht, auf welche Art man den Schnitt an der Brust erweitert.

Doch zuerst stellt sich die Frage, was ist eine FBA und wann benötigst du diese Anpassung?

Was ist eine FBA?

Die Abkürzung FBA kommt aus dem Englischen und bedeutet Full Bust Adjustment also eine Anpassung für eine große Brust.

 

Da Schnittmuster in der Regel für ein B- Körbchen erstellt werden, wird es bei einer größeren Brust an dieser Stelle zu eng.

Die FBA, also die Anpassung soll dazu dienen, die notwendige Mehrweite an der Stelle zu schaffen, wo sie benötigt wird, also an der BrustDadurch bleibt das Schnittmuster an anderen Stellen unverändert, wie z.B. an den Schultern.

Wann brauchst du eine FBA?

Die Schnittmuster sind in der Regel für ein B- Körbchen erstellt.

Hast du nun eine größere Brust und wählst deine Größe nach dem Brustumfang, kann es schnell passieren, dass das Kleidungsstück an der Brust passt, aber über der Brust alles zu groß ausfällt.

Deshalb ist es empfehlenswert ab einem C- Körbchen eine kleinere Größe am Schnitt zu wählen und diesen dann nur an der Brust zu erweitern, also eine FBA durchzuführen. So spannt nichts an der Brust und an den Schultern passt es auch.

Du kannst anhand einer einfachen Rechnung herausfinden, ob eine FBA bei dir sinnvoll ist. 

 

Miss dazu deinen Brustumfang und deinen Oberbrustumfang.

 

Der Brustumfang verläuft dabei parallel zum Boden und verläuft an der stärksten Stelle der Brust.
Für den Oberbrustumfang bleibt das Maßband am Rücken an der gleichen Stelle und du legst es unter der Achsel entlang vorne über deine Brust.

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Rechne Folgendes:

Brustumfang minus Oberbrustumfang

Ist dein Ergebnis 5 cm und weniger, brauchst du keine Änderungen durchzuführen. Dein Schnitt sollte auch ohne eine FBA gut an der Brust passen. Wähle die Größe nach deinem Brustumfang aus.

Ist das Ergebnis größer als 5 cm, wäre es ratsam, deine Größe nach deinem Oberbrustumfang zu wählen und eine FBA – Anpassung für eine Große Brust vorzunehmen.

Wie bestimmst du die richtige Größe?

Normalerweise wird es empfohlen, seine Größe am Schnittmuster anhand des Brustumfangs auszuwählen.
Hast du ein C- Körbchen oder größer, solltest du dich nicht nach deinem Brustumfang, sondern nach deinem Oberbrustumfang richten.

 

Dazu misst du deinen Oberbrustumfang und tust so, als wäre das dein normaler Brustumfang. Mit diesem Maß wählst du die Größe deines Schnittmusters nach der Tabelle des Schnitterstellers aus.

So gehst du sicher, dass das Kleidungsstück oberhalb der Brust die richtige Größe hat.

 

Um zusätzlichen Platz für den Brustumfang zu schaffen, führst du eine FBA durch.

So passt dein Kleidungsstück an allen Stellen und die Brust hat genug Stoff, der nicht spannt.

Die notwendige Mehrweite an der Brust bestimmen

Um herauszufinden, welche Mehrweite du an der Brust hinzufügen musst, kannst du die gleiche Rechnung anwenden, wie oben erwähnt.

Miss deinen Brustumfang und deinen Oberbrustumfang. 

 

Rechne: Brustumfang minus Oberbrustumfang

 

Ist das Ergebnis größer als 5 cm, solltest du deinen Schnitt um dieses Maß an der Brust erweitern.

 

Ein Beispiel:
Brustumfang = 140 cm; Oberbrustumfang = 131 cm (Rechnung: 140 cm – 131 cm = 9 cm)

Demnach sollte der Schnitt um 9 cm an der Brust vergrößert werden, d.h. 4,5 cm an jeder Seite des Vorderteils.

FBA bei einem Schnitt ohne Brustabnäher

Variante 1 (klassische Methode)

Weite einarbeiten

Hast du festgestellt, dass du eine FBA benötigst und hast alle Maße zusammen, dann kannst du starten.

Zuerst wird die notwendige Weite am Schnitt hinzugefügt.

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Ermittle dafür deinen tatsächlichen Brustpunkt. Am schnellsten funktioniert das, wenn du den Schnitt an deinen Körper anlegst und den Brustpunkt am Papier markierst.
Richte den Schnitt dazu an der Mitte deines Körpers und deiner Schulter aus.

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Ist der Brustpunkt markiert, zeichnest du 3 Hilfslinien ein, an denen du den Schnitt später aufschneiden musst:


1. von der Taille bis zum Brustpunkt und zwar parallel zur vorderen Mitte

2. vom Brustpunkt bist zum unteren Drittel des Armlochs

3. von der Seitennaht bist kurz vor den Brustpunkt

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Schneide den Schnitt an diesen Linien jetzt auf.
Fange am Saum an und schneide die Linie über den Brustpunkt zum Armloch ein.
Schneide das Armloch nicht ganz durch, sondern lasse den Schnitt an dieser Stelle 1-2 mm zusammen.
So bleibt die Länge des Armausschnitts unverändert.

 

Schneide nun an die Linie von der Seitennaht bis zum Brustpunkt auf. Auch hier 1-2 mm bis vor den Brustpunkt schneiden. Der Schnitt behält an dieser Stelle eine kleine Verbindung.

Nun kannst du das Schnittmuster erweitern. Dazu legst du am besten ein Stück Papier darunter. Klebe das Papier auch an der vorderen Mitte mit etwas Kreppband fest, damit sich nichts verschiebt.

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Ziehe jetzt das untere rechte Teil zur Seite und nach unten, so dass sich ein Spalt an der senkrechten Linie bildet.
Dieser Spalt sollte so breit sein, wie die benötigte Mehrweite, die du benötigst. In meinem Beispiel die 4,5 cm.

Klebe diesen Teil des Schnittes am Papier fest.

An der Seite entsteht automatisch ein Abnäher, der später genäht wird und die Rundung formt. Die Länge der Seitennaht bleibt dabei unverändert.

Länge anpassen

Damit du bei der Änderung genug Länge hast, um über die Brust zu kommen, musst diese auch noch angepasst werden.

fba_anpassung_oberweite_schnittanpassung_schnittmuster_anleitung
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Zeichne dazu eine Linie im rechten Winkel zur vorderen Mitte und schneide den Schnitt hier auf. Versetze das abgeschnittene Stück auf die gleiche Höhe, wie die rechte Seite.

Der Schnitt ist nun fertig an deine Brust angepasst.

Brustabnäher zeichnen

Zum Schluss zeichnest du den neu entstandenen Brustabnäher noch Mal richtig ein. Dadurch bleibt die Länge der Seitennaht unverändert und dein Rückenteil passt weiterhin an das Vorderteil.

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Die Spitze der Brustabnäher sollte zum Brustpunkt zeigen und ca. 2-3 cm davon entfernt sein.

Wenn du möchtest, kannst du einen Taillenabnäher zeichnen oder du lässt ihn einfach weg und hast ein legeres Oberteil.

Für den Vergleich beider Methoden habe ich einen Taillenabnäher gezeichnet und ihn dann in den Brustabnäher verlegt. So habe ich am Schnitt nur einen Abnäher und ab der Taille zum Saum kaum Mehrweite.

Variante 2 (quick and easy Methode)

Möchtest du dein Schnittmuster nach einer FBA weiterhin ohne Abnäher nähen, kannst du dazu die “quick and easy” Methode verwenden. Hierbei musst du deinen Schnitt nicht aufschneiden, sondern nur drehen.

 

Bevor du beginnst, solltest du dein Schnittmuster auf einem Bogen Papier aufzeichnen.
Bei dieser Variante ermittelst du genauso, wie bei der Variante 1, zuerst die notwndige Weite für deine Brust.
Ich nehme wieder mein Beispiel mit den 4,5 cm.

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Deine benötigte Weite misst du vom Armloch aus nach rechts und setzt eine Markierung. Danach zeichnest du an dieser Stelle eine Senkrechte Linie.

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Für die Erweiterung an der Brust, hältst du den Schnitt an der Ecke deiner Schulter fest und drehst ihn bis zu deiner eingezeichneten Linie.

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Fixiere den Schnitt mit etwas Klebeband und zeichne den Armausschnitt nach.

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Halte den Schnitt an der Ecke des Armlochs fest und drehe ihn zurück zur vorderen Mitte, bis sich die Linien an dieser Stelle berühren.

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Zeichne die neue Seitenlinie nach.

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Die zusätzliche Länge, die du bei einer großen Brust benötigst, zeichnest du an der vorderen Mitte ein. Das ist ungefähr die halbe Länge, die du für die FBA brauchst. In meinem Beispiel ca. 2 cm.

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Fertig ist deine Schnittanpassung für eine große Oberweite ohne Brustabnäher.

 

Natürlich kannst du diese Methode nicht bei jedem Schnitt anwenden. Oft sieht ein Kleidungsstück mit einem Brustabnäher bei einer großen Oberweite schmeichelhafter aus. Dort behält der Armausschnitt seine bisherige Position.
Bei legeren Oberteilen, die nur an der Brust spannen, bietet sich diese schnelle und einfache Methode für eine Anpassung an.

Vergleich beider Methoden

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So sieht der direkte Vergleich beider Methoden am Schnitt aus.


Die blaue Linie ist die klassische Methode und die rosa Linie die schnelle und einfache Methode.

Du kannst erkennen, dass bei der schnellen Methode die Linie das Armausschnitts nach Außen versetzt wird, wobei es bei der klassischen Methode nur im unteren Drittel der Fall ist.
Die Lage der Seitenlinie unterscheidet sich nur gering voneinander.

 

Für den Vergleich habe ich bei der klassischen Methode den Taillenabnäher in den Brustabnäher verlegt, so dass nur noch ein Abnäher vorhanden ist. Das Shirt wäre ab der Taille zum Saum also kaum weiter, als am Ausgangsschnitt.

 

Teste einfach, was für dich die bessere Wahl ist und teile es mir gerne mit. Ich würde mich über Erfahrungen mit beiden Varianten sehr freuen!

 

Deine Olga

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