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Nähte auftrennen

Beim Nähen geht viel Zeit für die Vorarbeiten drauf.

Schnitte abzeichnen, Schnittmuster ausschneiden, Stoff zuschneiden, stecken oder vielleicht sogar heften.

 

Ein Arbeitsablauf, auf den man allerdings noch mehr verzichten möchte, als auf das Zuschneiden des Stoffes, ist das Auftrennen von Nähten.

Doch auch bei sehr geübten Näherinnen bleibt dieser Arbeitsschritt manchmal nicht aus.

Auftrennen kann gelegentlich ganz schön Nerven aufreibend sein und ist teilweise ein wahres Geduldspiel.

 

Ich merke oft in meinen Nähkursen, dass den Teilnehmern das Auftrennen von Nähten besonders schwer fällt und sie länger als nötig damit ihre Zeit verbringen, weil sie diese Arbeit mit der falschen Technik angehen.

Viele wenden mehr Kraft und Druck an, als überhaupt nötig. Dabei ist das gar nicht so schwer, wenn man erst mal verstanden hat, dass es mit Leichtigkeit und der richtigen Vorgehensweise ganz leicht von der Hand geht.

 

Ich zeige dir heute einige Arbeitsweisen, wie du eine Naht problemlos auftrennen kannst.

Was du dafür brauchst:

 

  • einen Nahttrenner
  • gutes Licht

 

Mittlerweile gibt es viele Hilfsmittel, die du für das schöne Hobby kaufen kannst. Nicht alles ist nötig, nicht alles ist gut. Wofür du aber unbedingt etwas Geld investieren solltest, ist ein guter Nahttrenner. Nimm am besten ein Markenprodukt, denn nichts ist ärgerlicher, als eine stumpfe Klinge oder eine zu dicke Spitze, mit der man nur sehr schlecht unter die Fadenschlinge kommt.

Achte darauf, dass der Griff nicht zu kurz ist und gut in der Hand liegt.

Eine Naht auftrennen mit dem Nahttrenner. Nähenlernen www.naehen-bei-olga.de Nähschule

Ein Nahttrenner besteht aus einem U mit einer langen und einer kurzen Seite. Die lange Seite ist spitz und du kannst damit ganz leicht unter die Nahtschlinge greifen. Zwischen den beiden Seiten liegt eine scharfe Klinge.

Bevor du anfängst aufzutrennen, achte darauf, dass du ausreichend Licht hast und die Fäden gut siehst, denn nur dann kannst du die Naht lösen, ohne den Stoff zu beschädigen.

Lass dich auf diese Arbeit ein, ohne dich zu ärgern und betrachte es als eine kleine Auszeit. ;-)

Geradstich auftrennen

Stecke die spitze lange Seite den Nahttrenners unter eine Fadenschlinge der Naht. Halte den Stoff dabei fest. Schiebe die Spitze jetzt weiter, ohne dabei Druck auszuüben.

Viele versuchen den Faden zu durchtrennen, indem sie den Nahttrenner nach oben ziehen und nutzen dafür nicht das scharfe Messer. Wenn du das machst, könntest du den Stoff beschädigen und die Naht wird nicht sauber getrennt.


Schneide alle 4 bis 5 Stiche durch. Die verriegelten Enden solltest du gesondert auftrennen. 

Drehe dein Stoffstück um und ziehe an dem Faden. Dieser lässt sich jetzt ganz leicht entfernen und die Stoffteile sind getrennt. Entferne danach auch die übrigen Garnrückstände.


Eine andere Methode zwei Stoffteile zu trennen, ist die Naht dazwischen aufzutrennen. Du musst einfach mal ausprobieren, welcher Weg dir leichter fällt. Es ist aber auch abhängig von Nähobjekt, welche Trennart leichter und schneller funktioniert.

Trenne den Anfang der Naht mit der ersten Methode ein Stückchen auf. Ziehe die Stoffteile leicht auseinander und stecke die spitze lange Seite des Nahttrenners unter die Nahtschlaufen. Schiebe die Spitze ohne Druck vorwärts.

Die Stoffteile lassen sich jetzt ein Stück weiter auseinander ziehen. Arbeite dich so bis zum Ende der zu trennenden Stelle vor.

TIPP: Hast du Sorge, dass du mit der spitzen Seite den Stoff beschädigen könntest, dann benutze nicht die spitze Seite des Nahttrenners, sondern die kurze Seite mit der Kugel. Damit verhinderst du ein Einstechen in den Stoff und schützt ihn vor Einschnitten.


Zickzack- Stich auftrennen

Den Zickzack- Stich kannst du ähnlich, wie mit der ersten Methode des Geradstich auftrennen.

Stecke die Spitze des Nahttrenners unter den Zickzack- Stich. Schiebe ihn vorsichtig drunter her und schneide mit dem Messer die Nähte durch.

Drehe das Stoffstück um, ziehe den Faden raus und entferne die restlichen Garnrückstände.


Zierstich auftrennen

Manche Zierstiche lassen sich wie der Zickzack- Stich oder die erste Methode des Geradstichs auftrennen. Es kommt auch immer auf den Stoff an, wie leicht oder schwer eine Naht aufgetrennt werden kann.

Wenn du deinen Stoff schonen möchtest, dann bleibt dir manchmal nur diese langwierige Vorgehensweise, um den Zierstich aufzutrennen.

Den Anfang des Fadens hochziehen.

Dadurch ziehst du den Unterfaden hoch und es bildet sich eine Schlaufe.

Greife mit der Spitze des Nahttrenners vorsichtig in die Schlaufe.

Ziehe den Faden komplett raus und wiederhole diese Abläufe, bis der Zierstich aufgetrennt ist.


Overlockstich auftrennen

Und dann gibt es da noch die Overlocknaht. Mittlerweile haben viele Näherinnen eine Overlock zu Hause stehen, denn mit ihr lassen sich Stoffe wie Jersey wunderbar vernähen.

Bei dieser Naht gibt es einen ganz einfachen Trick, wie du sie wieder auftrennen kannst.

Ziehe dir mit dem Nahttrenner den Anfang des Fadens hoch, der mit der Overlocknadel genäht wurde. Diese Naht liegt parallel zur Stoffkante.

Falls dein Abschnitt, der getrennt werden soll, nicht zu lang ist, kannst du den Faden einfach raus ziehen. Ist die Strecke sehr lang, dann trenne die Naht dazwischen in kleinere Abschnitte.


Verfahre genauso mit dem zweiten Faden der zweiten Nadel, falls du mit dem 4-Faden Overlockstich genäht hast.

Nun lassen sich die restlichen Fäden einfach abziehen und die Naht ist aufgetrennt.


Wie trennst du deine Nähte auf? Kennst du noch einfachere oder schnellere Techniken, um diese Arbeit zu erledigen?

Oder benutzt du vielleicht gar keinen Nahttrenner für das Trennen?

Schreibe es mir doch in den Kommentaren.

 

Deine Olga